Tim Raue: Vom Straßenkämpfer zum Sternekoch – eine brutale Jugend in Berlin
Franka MeisterTim Raue: Vom Straßenkämpfer zum Sternekoch – eine brutale Jugend in Berlin
Tim Raue gehörte einst zu einer der härtesten Straßenbanden Berlins. Zwischen seinem 14. und 16. Lebensjahr war er das einzige deutsche Mitglied der „36 Boys“ in Kreuzberg. Diese Zeit hinterließ bei ihm Spuren – sowohl körperliche als auch seelische –, darunter eine Narbe von einem brutalen Aufnahmeritual.
Die „36 Boys“ hatten sich gegründet, um auf der Straße Anerkennung und Respekt zu erlangen. Die Mitgliedschaft hatte jedoch einen gewalttätigen Preis: Neue Rekruten mussten sich drei Minuten lang gegen zwei bestehende Mitglieder behaupten. Raue hielt bei seinem eigenen Initiationskampf weniger als drei Minuten durch, gab aber nicht auf. Die Prügelei hinterließ eine lebenslange Narbe.
Zusammenstöße mit verfeindeten Banden waren an der Tagesordnung, oft stand die „36 Boys“ dabei im Verhältnis zwei zu eins in Unterzahl. Raue gibt zu, dass er manchmal fliehen wollte, sich aber zwang, standzuhalten. Trotz der Angst zeigte er sie nie.
Heute lehnt Raue Gewalt ab, doch er versteht noch immer die Denkweise, die ihn damals antrieb. Die Erfahrungen prägten seine Sicht auf Konflikte und das Überleben in einem rauen Umfeld.
Mit Mitte Teenagerjahre endete Raues Zeit bei den „36 Boys“, doch die Lehren blieben. Die Kultur des Kämpfens um Respekt hinterließ sichtbare und unsichtbare Wunden. Heute spricht er offen über diese Vergangenheit – ohne sie zu verherrlichen, aber mit dem Bewusstsein für ihre prägende Wirkung.






