Proteste in Albanien: Warum ein Luxusresort das Vjosa-Narta-Delta bedroht
Ron StollProteste in Albanien: Warum ein Luxusresort das Vjosa-Narta-Delta bedroht
Albanien im Fokus: Proteste gegen Luxusresort in geschütztem Delta
Das kleine Balkanland Albanien an der Adria hat selten weltweite Aufmerksamkeit erregt. Doch aktuelle Proteste auf einer seiner Inseln rücken das Land nun ins Rampenlicht. Demonstranten, die mit rosaroten Flamingo-Ausschnitten winken, wehren sich gegen Pläne, das Vjosa-Narta-Delta in ein Luxusressort umzuwandeln.
Die betroffene Insel gehört zu Europas erstem Nationalpark für Wildflüsse und beherbergt seltene Tierarten wie Flamingos, Pelikane und Schildkrötenbrutstätten. Seit 2023 steht sie unter Schutz. Trotzdem plant Jared Kushner, der Schwiegersohn des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, dort ein Milliardenprojekt für ein exklusives Ferienparadies zu errichten.
Kushners Firma erhielt vom albanischen Ministerpräsidenten Edi Rama den Status eines „strategischen Investors“. Berichten zufolge beinhaltet dieser Steuerbefreiungen, den Verzicht auf öffentliche Ausschreibungen und die Umgehung von Umweltprüfungen. Kushner hatte zuvor die Abraham-Abkommen vorangetrieben, die während Trumps Amtszeit die Beziehungen zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten normalisierten.
Albanien erhielt 2014 den EU-Kandidatenstatus, doch Sorgen über Korruption und eine schwache Rechtsstaatlichkeit bestehen weiter. Das Land spielt zudem eine Rolle in Israels „Peripherie-Strategie“, die darauf abzielt, Beziehungen zu nicht-arabischen Staaten aufzubauen, um die diplomatische Isolation zu verringern. Albanien beherbergt Tausende Mitglieder der Mujahedin-e Chalq (MEK), einer iranischen Exilgruppe, die sich gegen Teheran stellt. Rama pflegt enge Kontakte zu Trump und dem ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu und nutzt die MEK als Hebel gegen den Iran.
Die Proteste verdeutlichen die Spannungen zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Umweltschutz. Kushners Projekt schreitet unter umstrittenen Bedingungen voran. Albaniens politische Verbindungen und innere Herausforderungen bleiben von der EU und internationalen Beobachtern genau unter die Lupe genommen.






