Pforzheimer Apotheken streiken für faire Bezahlung nach 20 Jahren Stillstand
Marko MargrafPforzheimer Apotheken streiken für faire Bezahlung nach 20 Jahren Stillstand
Apotheken in Pforzheim und dem Enzkreis schließen am Montag in seltener Solidaritätsaktion
In einem ungewöhnlichen Zeichen des Zusammenhalts bleiben am Montag fast alle Apotheken in Pforzheim und dem Enzkreis geschlossen. Die von der Landesapothekerverband Baden-Württemberg (LAV) organisierte Protestaktion zielt darauf ab, nach mehr als zwei Jahrzehnten ohne angemessene Gebührenanpassung faire Bezahlung durchzusetzen. Lediglich die Christoph-Apotheke bleibt geöffnet – besetzt mit einem Notdienst-Team.
Die letzte nennenswerte Gebührenerhöhung für Apotheken datiert aus dem Jahr 2013 und betrug lediglich 25 Cent. Seither gab es keine weiteren Anpassungen, sodass viele Betriebe Mühe haben, ihre Kosten zu decken. Andreas Plommer, der in der Christoph-Apotheke im Notdienst tätige Apotheker, argumentiert, dass die stationäre Patientenversorgung in Krankenhäusern deutlich teurer sei als die Leistungen vor Ort. Er warnt: Ohne bessere Finanzierung drohe der Kollaps der örtlichen Apotheken – mit gravierenden Folgen für das gesamte Gesundheitssystem.
Plommer hatte gehofft, dass sich auch alle Notdienst-Apotheken am Streik beteiligen, um den Druck auf die Verantwortlichen zu erhöhen. Stattdessen schließen sich nur die nicht-notdienstpflichtigen Apotheken in Pforzheim und dem Enzkreis der Aktion an, während die Notdienste bundesweit aufrechterhalten werden. Am Montag wird sein Team mit fünf Mitarbeitenden am Vormittag und vier am Nachmittag den Andrang bewältigen.
Christian Kraus, Vorsitzender der LAV-Geschäftsstelle Pforzheim, rief die Teilnehmenden auf, sich in Berufskleidung vor der Christoph-Apotheke zu versammeln – mit Plakaten oder Flugblättern. Ziel ist es, die Kundgebung sichtbar zu machen und Geschlossenheit zu demonstrieren. Dass es gelang, fast alle Apotheken der Region für die Schließung zu gewinnen, unterstreicht die tiefe Verärgerung über die seit Jahren stagnierenden Einnahmen.
Bei der Demonstration werden sich die Apotheken-Teams gemeinsam für ihre Forderungen starkmachen. Dass nahezu alle lokalen Apotheken geschlossen bleiben und nur der Notdienst aufrechterhalten wird, zeigt die Dringlichkeit ihrer Anliegen. Die Organisatoren hoffen, dass dieser kraftvolle Protest endlich eine Überprüfung der längst überfälligen Gebührenanpassungen bewirkt.






