Klinikum Sigmaringen stellt ambulante Versorgung nach Fachkräfte-Mangel um
Franka MeisterKlinikum Sigmaringen stellt ambulante Versorgung nach Fachkräfte-Mangel um
Klinikum Sigmaringen passt ambulante Angebote an Personal- und Regulierungsänderungen an
Nach jüngsten Veränderungen in Personal und Vorschriften stellt das Klinikum Sigmaringen seine ambulante Versorgung um. Während Krankenhäuser in der Regel auf stationäre Behandlungen spezialisiert sind, ermöglichen Sondergenehmigungen einigen Häusern, auch ambulante Patienten in bestimmten Fachbereichen zu behandeln – allerdings verbunden mit finanziellen und administrativen Herausforderungen. Aktuell klaffen Lücken in der Krebs- und Kardiologieversorgung, nachdem wichtige Fachkräfte die Einrichtung verlassen haben.
Ambulante Behandlungen in Krankenhäusern wie Sigmaringen sind selten und streng reguliert. Normalerweise übernehmen Haus- und Fachärzte diese Fälle, doch Krankenhäuser springen ein, wenn Eingriffe spezielle Geräte oder Expertise erfordern. Genehmigungen des Zulassungsausschusses sind dabei unverzichtbar – sie werden jedoch an einzelne Ärzte gebunden, nicht an die Klinik selbst.
Der Kardiologe Jan Prillinger, zuständig für die Betreuung von Schrittmacher- und Defibrillator-Patienten, wechselte zum 1. Oktober in die Praxis Hanfertal. Mit seinem Abgang schließt die entsprechende Ambulanz des Krankenhauses – eine Wiedereröffnung gilt als unwahrscheinlich. Gleichzeitig ruhen seit Februar die ambulanten Krebstherapien für gesetzlich Versicherte, nachdem die Klinik ihren Chefonkologen und die notwendige Personalgenehmigung für angestellte Spezialisten verloren hatte.
Noch im November erwartet das Krankenhaus eine neue Genehmigung, um die onkologische Versorgung wiederaufnehmen zu können. Trotz finanzieller Nachteile – ambulante Behandlungen sind weniger lukrativ als stationäre Aufenthalte – hält Sigmaringen Angebote in den Bereichen Urologie, Kardiologie, Gastroenterologie, Gynäkologie, Chirurgie und Onkologie aufrecht. Ziel ist nicht Konkurrenz zu niedergelassenen Ärzten, sondern die Sicherstellung der Versorgung, wo lokale Praxen an Grenzen stoßen.
Bundesweit rechnen Kliniken wie die des SRH-Konzerns mit einem Ausbau ambulanter Leistungen. Gesundheitspolitisch wird zunehmend auf Kosteneinsparungen durch die Verlagerung von stationärer zu ambulanter Behandlung gesetzt, auch wenn unklar bleibt, wie viele deutsche Krankenhäuser über solche Genehmigungen verfügen.
Die ambulanten Dienste des Klinikums Sigmaringen befinden sich im Umbruch: Die kardiologische Versorgung endet, die Krebstherapien ruhen bis November. Ob die Einrichtung diese Leistungen künftig anbieten kann, hängt von neuen Genehmigungen und Fachkräften ab. Angesichts der gesundheitspolitischen Weichenstellung hin zur ambulanten Medizin könnten mehr Häuser diesem Modell folgen – trotz der damit verbundenen finanziellen und organisatorischen Hürden.






