Europas Industrie warnt vor CO₂-Kosten: "Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr"
Ron StollEuropas Industrie warnt vor CO₂-Kosten: "Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr"
Mehr als drei Dutzend große europäische Industrieunternehmen haben in einem Brief an die EU-Spitze zu dringendem Handeln gegen die steigenden CO₂-Kosten aufgerufen. Zu den Unterzeichnern gehören Konzerne wie ArcelorMittal, BP und BASF, die warnen, dass die aktuellen Klimavorgaben die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie gefährden. Sie fordern umgehende Änderungen im Rahmen der anstehenden Reform des EU-Emissionshandels (EU-ETS).
Nach den EU-Regeln müssen Industrieanlagen Zertifikate für den Ausstoß von Treibhausgasen erwerben. Während früher viele dieser Berechtigungen kostenlos vergeben wurden, hat das Klimapaket „Fit for 55“ die meisten dieser Zuweisungen schrittweise abgeschafft. Diese Umstellung zwingt Unternehmen dazu, die notwendigen Emissionsrechte auf dem Markt zu kaufen – was die Kosten in die Höhe treibt, sobald die Reduktion der Emissionen hinter der schrumpfenden Verfügbarkeit von Zertifikaten zurückbleibt.
Die Hersteller argumentieren, dass der Emissionshandel nicht mehr mit den globalen Realitäten im Einklang stehe. Europa handle allein, indem es seine Industrien mit rasant steigenden CO₂-Kosten belaste, heißt es in dem Schreiben. Zudem fehle es an entscheidender Infrastruktur für Strom, Wasserstoff sowie für den Transport und die Speicherung von CO₂ – allesamt unverzichtbar für die industrielle Transformation.
Um Wettbewerbsnachteile auszugleichen, führte die EU den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) ein. Diese Abgabe zielt auf kohlenstoffintensive Importe ab, nimmt jedoch Länder mit eigenem Emissionshandelssystem aus. Die Einnahmen aus dem EU-ETS fließen größtenteils in Klimaschutzmaßnahmen, etwa in den Ausbau von Wasserstoffnetzen für die Industrie.
Die Unterzeichner fordern ein Stopp der weiteren Kostenerhöhungen, um weitere Schäden für den europäischen Industriestandort zu verhindern. In dem Brief wird betont, dass das aktuelle System ohne dringende Reformen die wirtschaftliche Stabilität des Kontinents untergraben könnte. Wie die EU auf diese Bedenken reagiert, wird sich in den nächsten Schritten zur Reform des Emissionshandels zeigen.






