Erlangen verbietet "sexistische" Partyschlager auf dem Bergkirchweih-Fest
Ron StollErlangen verbietet "sexistische" Partyschlager auf dem Bergkirchweih-Fest
Die Stadt Erlangen hat mit einem Verbot einer Reihe klassischer Partyschlager für das diesjährige Bergkirchweih-Volksfest für Aufsehen gesorgt. Die Verantwortlichen stuften die Lieder als „sexistisch“ oder „frauenfeindlich“ ein und forderten die Veranstalter auf, auf deren Abspielung zu verzichten. Den Anstoß gab eine Beschwerde einer Frau, die 2022 auf dem Fest begrapscht worden war und sich durch die Musik unwohl gefühlt hatte.
Die Entscheidung fiel nach einer Prüfung der Songtexte durch die Gleichstellungsbeauftragten der Grünen, Reka Lörincz und Nora Hahn-Hobeck, im Vorfeld des Festivals 2023. Titel wie Skandal im Sperrbezirk sowie Stücke von Mickie Krause und Peter Wackel wurden als diskriminierend eingestuft – darunter Wackels Hit Joana mit der Zeile Du geile Sau. Der Künstler kritisierte die Richtlinien scharf und behauptete, immer mehr Künstler würden sich mittlerweile weigern, in Deutschland aufzutreten.
Bereits 2021 hatte der Stadtrat Lieder mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ verurteilt, unterstützt von CSU, Linken und SPD. In diesem Jahr betonten die Verantwortlichen die Notwendigkeit eines Festes, das „besonders frei von Diskriminierung“ sein solle – bei erwarteten knapp einer Million Besuchern. Wirte vergleichen die Einschränkungen jedoch mit Zensurmaßnahmen der DDR und stellen den Ansatz der Stadt infrage.
Jürgen Thurnau, Frontmann der Spider Murphy Gang, schloss sich dieser Kritik an und verglich die Vorgehensweise mit staatlich gelenkter Kunst in der ehemaligen DDR. Die Stadt hingegen besteht darauf, dass die Maßnahmen einer sicheren und inklusiveren Atmosphäre für alle Gäste dienen sollen.
Das Bergkirchweih-Fest wird wie geplant stattfinden – allerdings unter den neuen Vorgaben. Künstler und Gastwirte bleiben gespalten: Einige warnen vor weitreichenden Folgen für die Livemusik-Szene in Deutschland. Die Debatte spiegelt den Konflikt zwischen Meinungsfreiheit und dem Kampf gegen Diskriminierung bei öffentlichen Veranstaltungen wider.






