13 June 2026, 16:22

Angélica Liddells provokantes Bühnenwerk über Mishimas Selbstmord feiert Premiere

Wien Festival: Ritualisierte Todesekstase

Angélica Liddells provokantes Bühnenwerk über Mishimas Selbstmord feiert Premiere

Angélica Liddells neues Bühnenwerk Seppuku: Die Bestattung Mishimas oder die Lust am Sterben hatte bei den Wiener Festwochen Premiere. Die Inszenierung ist Teil des diesjährigen Festivalprogramms, das unter dem Motto Republik der Götter eine sorgfältig kuratierte Auswahl an Produktionen vereint.

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Liddell beschäftigt sich seit Langem mit Leben und Tod des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima. In ihrer zweistündigen Performance rekonstruiert sie dessen rituellen Selbstmord, das Seppuku, und entwickelt daraus eine leidenschaftliche Rechtfertigung dieser Tat.

Die Aufführung setzt auf drastische und eindringliche Bilder: Liddell und eine weitere Darstellerin lassen sich auf der Bühne Blut abnehmen und vermischen es. In einer expliziten Szene der Selbstbefriedigung verwendet sie rohes Fleisch. Zwischen diesen intensiven Momenten blitzt schwarzer Humor auf – etwa wenn ein Bodybuilder neben sich entkleidenden jungen Männern posiert.

Für die Produktion sammelte Liddells Compagnie Atra Bilis Teatro Kleidungsstücke Verstorbener. Die Künstlerin trägt diese Gewänder, um deren Geschichten zu verkörpern und neu zu erzählen. Ihr Interesse am Suizid entstand, nachdem sie in Madrid miterlebte, wie sich eine Frau das Leben nahm – ein Erlebnis, das sie dazu brachte, die Erfahrungen jener zu erforschen, die sich bewusst für den Tod entscheiden.

Das Stück ist nun fester Bestandteil der Wiener Festwochen und trägt zu deren übergreifender Erzählstruktur bei. Mit seiner kraftvollen Bildsprache und persönlichen Reflexion lotet die Performance Themen wie Sterblichkeit und Sinnsuche aus – ganz im Geist der künstlerischen Vision des Festivals.

Quelle