Schwimmende Energyfish-Turbinen revolutionieren die Wasserkraft im Rhein
Franka MeisterSchwimmende Energyfish-Turbinen revolutionieren die Wasserkraft im Rhein
Energyminer installiert neuartiges Wasserkraftsystem im Rhein
Das Unternehmen Energyminer setzt am Rhein eine innovative Form der Wasserkraft ein: die schwimmenden Energyfish-Turbinen. Diese kompakten Anlagen treiben in Flüssen verankert im Strom und versprechen eine stetige, kostengünstige Stromerzeugung bei minimaler Umweltbelastung und schneller Inbetriebnahme.
Die Energyfish ist eine kleine, schwimmende Turbine mit den Maßen 2,8 Meter Länge, 2,4 Meter Breite und 1,4 Meter Höhe. Jede Einheit wiegt etwa 80 Kilogramm und kann bis zu 6 Kilowatt (kW) Leistung erzeugen – unter idealen Bedingungen im Durchschnitt 1,8 kW. Voraussetzung für den Betrieb sind mindestens ein Meter Wassertiefe und eine Strömungsgeschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde.
Laut Energyminer erzeugt eine einzelne Turbine jährlich rund 15 Megawattstunden (MWh). Ein Verbund von 100 Einheiten könnte etwa 1,5 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr liefern. Das Unternehmen betont, dass zehn Turbinen bereits drei Tage nach Genehmigung installiert werden können – ganz ohne Beton, Staudämme oder aufwendige Bauarbeiten.
Aktuell wird bei Sankt Goar am Rhein der erste großflächige Verbund mit 124 Einheiten in Betrieb genommen. Es handelt sich um das erste Kraftwerk dieser Art in diesem Maßstab. Zuvor hatte ein kleineres Pilotprojekt im Münchner Auer Mühlbach, in der Nähe eines herkömmlichen Wasserkraftwerks, stattgefunden.
Energyminer argumentiert, dass Flüsse in manchen Regionen zuverlässiger Strom liefern können als Sonne oder Wind. Allerdings bringen Flüsse auch Herausforderungen mit sich, etwa schwankende Wasserstände, Hochwasser, Niedrigwasser oder Eis. Dennoch behauptet das Unternehmen, die Energyfish funktioniere rund um die Uhr bei jedem Wetter, sei hochwasserresistent, für Fische unschädlich und erfordere kaum Wartung.
Die wirtschaftlichen Angaben des Unternehmens, wie von WELT/dpa berichtet, sind konkret: Die stromgestehenden Kosten lägen bei etwa 8 Cent pro Kilowattstunde, inklusive Investitionen, Betrieb und Instandhaltung. Über eine Laufzeit von 20 Jahren rechnet Energyminer mit einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von mindestens 8 Prozent. Die Projekte sind meist klein dimensioniert – typischerweise im Bereich weniger hundert Kilowatt – und zählen damit zur dezentralen Energieerzeugung statt zu Großkraftwerken.
Das Energyfish-System bietet eine neue Option für Gemeinden mit starken Flussströmungen. Besonders für abgelegene Regionen, die auf Dieselgeneratoren angewiesen sind, könnte es eine Alternative darstellen. In netzgebundenen Gebieten konkurriert die Technologie mit Solar-, Windkraft-, Batterie- und anderen Energielösungen. Noch wird sie im großen Stil getestet – die tatsächliche Leistung unter Realbedingungen steht jedoch noch aus.
