Rechtsextreme Gewalt gegen zivilgesellschaftliche Gruppen erreicht 2025 neuen Höchststand
Marko MargrafRechtsextreme Gewalt gegen zivilgesellschaftliche Gruppen erreicht 2025 neuen Höchststand
Welle von Angriffen auf zivilgesellschaftliche Gruppen erschüttert Deutschland 2025
Neue Zahlen zeigen: Im Jahr 2025 hat es in Deutschland 112 Angriffe auf zivilgesellschaftliche Initiativen gegeben – im Schnitt fast einen alle drei Tage. Nur Tage vor den Christopher-Street-Day-Feierlichkeiten in Cottbus wurde das Rainbow Center in Brand gesteckt, während ein autonomes Jugendzentrum in Hannover mit Buttersäure beschmiert wurde.
Die Amadeu Antonio Stiftung dokumentierte den drastischen Anstieg der Gewalt. Fast die Hälfte aller Vorfälle ereignete sich in Ostdeutschland. Rechtsextreme richteten sich gezielt gegen Organisationen, die sich für Demokratie, LGBTQ+-Rechte und Jugendprojekte einsetzen. In Cottbus traf der Brandanschlag auf das Rainbow Center die Gemeinde kurz vor den lokalen CSD-Veranstaltungen.
Bastian Drumm, Sozialarbeiter bei der Kontaktstelle Holler, wird seit Monaten wegen seiner Arbeit bedroht. Er erhielt Hassbriefe, Todesdrohungen und rechtsextreme Aufkleber an seinem Arbeitsplatz. Drumm kritisierte zudem die Pläne der Bundesregierung, das Programm "Demokratie leben!" umzustrukturieren – statt es auszubauen, wie von vielen gefordert.
Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) kündigte eine Neuausrichtung des Programms an, wodurch rund 200 geförderte Projekte um ihre Zukunft bangen. Gleichzeitig heizt die rechtspopulistische AfD die Stimmung weiter an: In Riesa forderte der lokale Parteiverband, dass alle Jugendlichen in Jugendzentren namentlich und mit Adresse erfasst werden sollen.
Drumm appelliert an konservative Bürger:innen und CDU-Mitglieder, sich deutlicher gegen Rechtsextremismus zu stellen. Er betont, wie wichtig sichtbare Teilnahme an antidiskriminierenden Aktionen sei – denn verbale Angriffe schlagen zunehmend in körperliche Gewalt um.
Die Angriffe haben viele zivilgesellschaftliche Gruppen verunsichert. Mit 200 Projekten, deren Förderung nun auf der Kippe steht, warnen Aktivist:innen vor weiteren Rückschlägen. Behörden und Politiker:innen geraten zunehmend unter Druck, nicht nur die Gewalt zu bekämpfen, sondern auch politische Weichenstellungen zu überprüfen, die Extremisten in die Hände spielen könnten.






