NDR feuert Moderatorin Julia Ruhs nach konservativen Äußerungen – und löst Medienstreit aus
Marko MargrafNDR feuert Moderatorin Julia Ruhs nach konservativen Äußerungen – und löst Medienstreit aus
Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hat Julia Ruhs als alleinige Moderatorin seiner Reportagereihe Klar abberufen. Die Entscheidung folgt auf jüngste Äußerungen der Journalistin zu ihren politischen Ansichten. Ruhs, die sich selbst als "bürgerlich-konservativ" einordnet, bleibt weiterhin Moderatorin der Sendung beim Bayerischen Rundfunk (BR).
Der Schritt hat in Medienkreisen eine Debatte ausgelöst: Während einige die Entscheidung des NDR verteidigen, üben andere scharfe Kritik.
Ruhs hatte drei Folgen von Klar für den NDR präsentiert, die allesamt von der Redaktion abgesegnet worden waren. Dennoch entschied sich der Sender für einen Wechsel. Die verbleibenden Folgen übernimmt nun Tanit Koch.
Auslöser der Kontroverse war ein wiederaufgetauchter Ausschnitt aus einem Interview, das Ruhs dem Magazin Cicero gegeben hatte. Darin sagte sie: "Selbst einige meiner Freunde haben durchaus recht konservative Ansichten." Die Aussage sorgte für Aufsehen, obwohl es zuvor keine dokumentierten politischen Stellungnahmen von ihr gegeben hatte.
Kritik an der NDR-Entscheidung kam prompt. Oliver Welke, Moderator der ZDF-heute show, argumentierte, der Sender hätte Ruhs halten sollen, und meinte: "Wir müssen alle mehr aushalten können." Er widmete dem Thema sogar einen Beitrag in seiner Sendung, woraufhin Ruhs auf X (ehemals Twitter) reagierte. Sie schrieb: "Ein bisschen gemein, aber sehr lustig – die ZDF 'heute show' hat zusammengefasst, was letzte Woche bei der ARD passiert ist."
Die Komikerin Idil Baydar (bekannt als Jilet Ayse im ZDF) verteidigte hingegen den NDR und nannte die Situation "Populismus und schlechten Journalismus". Ruhs, die innerhalb von nur drei Jahren vom BR-Volontariat zur Moderatorin aufstieg, konzentriert sich nun ausschließlich auf ihre Tätigkeit beim Bayerischen Rundfunk.
Der NDR setzt die Sendung Klar mit Tanit Koch als neuer Moderatorin fort. Ruhs bleibt beim BR auf Sendung, wo sie das gleiche Format weiterhin präsentiert. Die Entscheidung wirft einmal mehr Fragen zur politischen Neutralität und Medienverantwortung im deutschen Rundfunk auf.






