17 March 2026, 00:31

Merz rät zu 50 Euro Altersvorsorge – doch wer kann sich das leisten?

Ein altes Buch mit einem Stapel verschiedener Scheine alter deutscher Banknoten darauf.

Merz rät zu 50 Euro Altersvorsorge – doch wer kann sich das leisten?

Bundeskanzler Friedrich Merz hat jungen Deutschen geraten, monatlich 50 Euro für die Altersvorsorge zurückzulegen. Der Vorschlag stößt auf Kritik – viele halten ihn für unrealistisch, insbesondere für Geringverdiener. Fachleute argumentieren, dass die Empfehlung die finanziellen Herausforderungen ignoriert und auf zu optimistischen Annahmen beruht.

Merz' Rat geht von einer jährlichen Rendite von sechs Prozent über Jahrzehnte aus. Berechnungen einer Finanzplattform zufolge würden bei dieser Verzinsung 50 Euro monatlich über 40 Jahre hinweg vor Steuern und Inflation etwa 79.365 Euro erbringen. Um einen sechsstelligen Betrag zu erreichen, müsste man sogar 45 Jahre lang sparen.

Das durchschnittliche Nettoeinkommen in Deutschland lag 2023 bei 2.425 Euro im Monat. Merz' Empfehlung von 50 Euro entspricht damit nur 2,1 Prozent dieses Betrags. Finanzexperten, darunter vom Verbraucherportal Finanztip, raten stattdessen dazu, mindestens 15 Prozent des Nettoeinkommens für die Vorsorge zu verwenden.

Kritiker weisen darauf hin, dass viele Menschen in Deutschland – vor allem Niedriglohnbezieher und Alleinerziehende – sich nicht einmal 50 Euro im Monat leisten können. Laut dem Altersvorsorgebericht 2025 zweifeln 83 Prozent der Deutschen an der langfristigen Stabilität der gesetzlichen Rente. Derzeit liegt das Rentenniveau bei 48 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens, was die Sorgen um die künftige finanzielle Absicherung verstärkt.

Die Diskussion um Merz' Sparvorschlag lenkt den Blick auf grundlegende Probleme im deutschen Rentensystem. Experten betonen, dass höhere Löhne und strukturelle Reformen notwendig sind, um eine ausreichende Altersvorsorge zu gewährleisten. Ohne solche Veränderungen könnten viele Menschen selbst bei langfristiger Planung Schwierigkeiten haben, ausreichend Rücklagen zu bilden.

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