Kant als TikTok-Star: Wie eine Agentur den Philosophen zum Influencer macht
Franka MeisterKant als TikTok-Star: Wie eine Agentur den Philosophen zum Influencer macht
Eine deutsche Werbeagentur holt den Philosophen Immanuel Kant ins digitale Zeitalter – als 23-jährigen Instagram-Influencer namens „Manu“. Mit Hilfe von KI verwandelte sie den Aufklärer des 18. Jahrhunderts in eine moderne Social-Media-Persönlichkeit, um seine komplexen Ideen einer jüngeren Zielgruppe näherzubringen und aktuelle Debatten über Philosophie anzuregen.
Immanuel Kant, 1724 in Königsberg geboren, zählt bis heute zu den einflussreichsten Denkern der Geschichte. Seine Werke wie die „Kritik der reinen Vernunft“ oder der „transzendentale Idealismus“ prägten die Erkenntnistheorie, Ethik und Ästhetik. Sein „kategorischer Imperativ“, ein Grundpfeiler der Moralphilosophie, bildet noch immer die Basis vieler ethischer Theorien.
Um „Manu“ zum Leben zu erwecken, nutzte das Team der Agentur Jung von Matt CREATORS die KI Stable Diffusion XL, um ein jugendliches Gesicht zu generieren. Die Stimme eines echten Influencers wurde geklont, und die Posts verbinden Kants Theorien mit Popkultur. Bezüge wie Miley Cyrus’ Hit „Flowers“ dienen dazu, seine Ideen auf eine Weise zu erklären, die bei der Generation Z ankommt.
Das Projekt stand jedoch vor Herausforderungen: Wie lässt sich wissenschaftliche Genauigkeit mit unterhaltsamem Appeal vereinen? Ethische Bedenken begleiteten die Entwicklung – etwa der respektvolle Umgang mit Kants Erbe, die Vermeidung von Verfälschungen und der Schutz vor Manipulation. Während einige Wissenschaftler:innen die Initiative loben, kritisieren andere, sie vereinfache Kants Werk zu sehr.
Doch das Ziel bleibt klar: Kants Philosophie einer neuen Generation zugänglich machen und die Diskussion im digitalen Raum beleben.
Die Reaktionen auf das „Manu“-Projekt fallen bisher gemischt aus – bei Expert:innen wie Kant-Enthusiast:innen. Indem es KI, Social Media und jahrhundertealte Philosophie verbindet, erprobt es neue Wege, jüngere Menschen zu erreichen. Ob es gelingt, das Interesse an Kants Ideen zu vertiefen – oder weitere Debatten entfacht –, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.






