07 May 2026, 12:40

Halberstadts vergessene jüdische Geschichte zwischen Zerstörung und politischer Instrumentalisierung

Metallplatte an einem Gebäude mit der Inschrift "Adolf Abraham Oppenheimer".

Halberstadts vergessene jüdische Geschichte zwischen Zerstörung und politischer Instrumentalisierung

Halberstadts jüdische Geschichte ist seit langem von Zerstörung und Auslöschung geprägt. Zwischen 1938 und 1942 wurde die jüdische Gemeinde der Stadt systematisch vernichtet: Die Synagoge wurde abgerissen, die letzten Mitglieder deportiert. Jahrzehnte später ist das Erbe dieser Vergangenheit weiterhin umstritten – wie der Streit um den Verkauf der Rathauspassagen 2018 zeigte, der alte Vorurteile wieder aufkeimen ließ.

Der Untergang der jüdischen Gemeinde Halberstadts begann 1938 mit der Zerstörung der Synagoge. Bis 1942 waren die letzten Juden deportiert, jede Spur ihres einst blühenden Lebens getilgt. Nach dem Krieg entstand 1949 am Standort des ehemaligen Konzentrationslagers Langenstein-Zwieberge bei Halberstadt eine Gedenkstätte, die zunächst den Opfern von Zwangsarbeit gewidmet war. Doch ihre Bedeutung wandelte sich im Laufe der Zeit.

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1969 wurde die Anlage umgestaltet – nicht als Ort der Trauer, sondern als Schauplatz politischer Kundgebungen und Treueschwüre. Die neue Struktur entstand direkt über den Gräbern von Häftlingen. Gleichzeitig wurden die unterirdischen Tunnel des Lagers in den 1970er-Jahren als Militärdepot für die Nationalen Volksarmee der DDR zweckentfremdet.

Die DDR selbst erkannte jüdisches Kulturerbe offiziell nicht an, wie Philipp Graf in seinem Buch „Verweigerte Erinnerung“ dokumentiert. Dennoch erschienen Romane jüdischer Autoren wie Peter Edel und Jurek Becker in der DDR. Die niederländische Widerstandskämpferin Lin Jaldati, die 1952 in die DDR übersiedelte, nahm in Ost-Berlin drei Schallplatten auf. Doch nach dem Sechstagekrieg 1967 verschwand ihre Musik bis Mitte der 1970er-Jahre aus den Programmen.

Grafs Forschungen zeigen die Widersprüche im antifaschistischen Selbstverständnis der DDR auf, wo jüdische Geschichte oft ignoriert oder unterdrückt wurde. Der Verkauf der Rathauspassagen 2018 brachte diese Spannungen erneut ans Licht – Gerüchte von einem „Verkauf an die Juden“ offenbarten, wie tief verwurzelte Vorurteile bis heute fortbestehen.

Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Halberstadts spiegelt die größeren Kämpfe um Erinnerung und Anerkennung wider. Von der Zerstörung der 1930er-Jahre bis zur politischen Ausblendung in der DDR wurde die Vergangenheit immer wieder umgedeutet. Heute mahnen die ungelösten Konflikte der Stadt, dass die Auseinandersetzung mit Antisemitismus – ob von rechts oder links – mehr erfordert als bloße Symbolpolitik.

Quelle