Großrazzia des Zolls deckt Ausbeutung im Paketzustellgewerbe auf
Deutsche Zollbehörden leiten Großrazzia im Paketzustellsektor ein
Nach der Aufdeckung massenhafter Rechtsverstöße haben die deutschen Zollbehörden eine großangelegte Kontrollwelle im Paketzustellgewerbe gestartet. Rund 2.900 Beamte führten bundesweit Inspektionen durch – im Fokus standen vor allem Unternehmen, die in hohem Maße auf Subunternehmer setzen. Die Aktion folgt auf jahrelange Kritik an Personalmangel und Berichte über ausstehende Löhne in der Branche.
Der Paketzustellmarkt ist mit dem Boom des Onlinehandels im digitalen Zeitalter rasant gewachsen. Unternehmen und Verbraucher bestellen heute mehr Waren denn je, was die Nachfrage nach Kurierdiensten in die Höhe treibt. Doch der Sektor steht seit Langem in der Kritik wegen prekärer Arbeitsbedingungen und illegaler Beschäftigungspraktiken.
Bei den Kontrollen stellte sich heraus, dass Fahrer oft ohne gültige Verträge oder angemessene Bezahlung arbeiten. Ein ukrainischer Mitarbeiter konnte nicht einmal den Namen seines Arbeitgebers nennen – ein Beispiel dafür, wie entfremdet viele Zusteller von den Unternehmen sind, für die sie tätig sind. Andere berichteten von unbezahlten Überstunden, etwa für Ladezeiten, sodass ihr Lohn unter dem Mindestlohn von 13,90 Euro lag.
Die Beamten deckten zudem Fälle von Schwarzarbeit und illegaler Anstellung auf. In Köln wurde ein 39-jähriger Türke ohne gültige Arbeitserlaubnis bei einem Subunternehmer entdeckt. Einige Fahrer, die gezwungen sind, Fahrzeuge zu überteuerten Konditionen von ihren Arbeitgebern zu mieten, kommen kaum über die Runden.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil verurteilte die wiederholten Verstöße der Branche gegen Arbeitsgesetze. Die Aktion solle Ausbeutung stoppen, staatliche Einnahmen sichern und sicherstellen, dass Sozialabgaben gezahlt werden, betonte er.
Große Unternehmen wie Amazon, DPD, Hermes und GLS setzen in erheblichem Umfang auf Subunternehmer – teils komplett, teils in großen Teilen. Dieses Modell hat zu systemischen Problemen beigetragen, wobei Berichte über unbezahlte Arbeit und Mindestlohnverstöße seit Jahren anhalten.
Die Kontrollen legten tief verwurzelte Missstände im Paketzustellsektor offen – von ausstehenden Löhnen bis hin zu illegaler Beschäftigung. Die Behörden kündigten weitere Maßnahmen an, um die Einhaltung der Vorschriften durchzusetzen und die Rechte der Arbeitnehmer zu schützen. Die Ergebnisse könnten zu strengeren Regulierungen für Unternehmen und ihre Subunternehmer führen.






