Deutschlands Atomausstieg 2011: Warum die Stromexporte trotzdem stiegen
Juan MentzelDeutschlands Atomausstieg 2011: Warum die Stromexporte trotzdem stiegen
2011 beschloss Deutschland nach der Katastrophe von Fukushima rasche Maßnahmen und stellte fast die Hälfte seiner Atomkraftwerke ab. Kritiker warnten, dieser Schritt werde das Land dazu zwingen, stärker auf Atomstromimporte aus Nachbarländern wie Frankreich und Tschechien zurückzugreifen. Doch offizielle Daten zeigten später ein anderes Bild: Der deutsche Stromhandel blieb stabil, und die Exporte stiegen in den folgenden Jahren sogar an.
Die Debatte begann im September 2011, als Der Spiegel berichtete, Deutschland importiere Atomstrom aus dem Ausland. Dieser Vorwurf folgte auf die sofortige Abschaltung von acht Atomreaktoren im März desselben Jahres, wodurch sich die deutsche Atomkapazität fast halbierte. Kritiker argumentierten, dass Deutschland ohne eigene Kraftwerke schlicht mehr atomar erzeugten Strom aus dem Ausland beziehen werde.
Schon vor Fukushima hatten Energieanalysten des Unternehmens Montel ein Überangebot in der deutschen Stromerzeugung festgestellt. Atomkraftwerke, die nahezu konstant laufen, konnten nur schwer auf Nachfrageschwankungen reagieren. Daher hatte Deutschland sein Stromnetz bereits seit Langem ausgeglichen, indem es bei hohem Angebot exportierte und bei Engpässen importierte.
Trotz des Atomausstiegs blieb Deutschland 2011, 2012 und 2013 ein Netto-Stromexporteur. Statt in Schwierigkeiten zu geraten, stiegen die deutschen Stromexporte in den Jahren nach 2011 sogar deutlich an. Die Umstellung störte den grenzüberschreitenden Handel nicht, auch wenn Österreich 2015 einen eigenen Kurs einschlug und alle Atomstromimporte verbot.
Der Atomausstieg führte nicht zu der befürchteten Abhängigkeit von ausländischem Atomstrom. Stattdessen verlief der deutsche Stromhandel weiterhin reibungslos, und die Exporte nahmen spürbar zu. Das Land behielt seine Rolle als einer der wichtigsten Stromlieferanten Europas bei – selbst als die eigenen Atomkraftwerke vom Netz gingen.






