"Deutschland steuert auf die Wand zu": Herrenknecht-Chef warnt vor Bürokratie und Kulturschwäche
Franka Meister"Deutschland steuert auf die Wand zu": Herrenknecht-Chef warnt vor Bürokratie und Kulturschwäche
Martin Herrenknecht, Vorstandsvorsitzender der Herrenknecht AG, hat eine drastische Warnung vor der Zukunft Deutschlands ausgesprochen. Der Chef des weltweit führenden Herstellers von Tunnelvortriebsmaschinen behauptet, das Land steuere „direkt auf die Wand zu“, wenn nicht grundlegende Reformen umgesetzt würden. Seine Kritik richtet sich vor allem gegen überbordende Bürokratie und einen gesellschaftlichen Wandel, die seiner Meinung nach Fortschritt ersticken.
Das in Schwanau im Ortenaukreis ansässige Unternehmen Herrenknecht dominiert den globalen Markt für Tunnelbohrmaschinen. Mit rund 5.500 Mitarbeitenden weltweit hat das Unternehmen eine Schlüsselrolle bei großen europäischen Projekten gespielt, darunter der Gotthard-Basistunnel, der Brenner-Basistunnel und der Ausbau des Stuttgarter Hauptbahnhofes im Rahmen von Stuttgart 21.
Der Vorstandsvorsitzende nannte die zähen Planungsprozesse in Deutschland als eines der größten Hindernisse. Ein Logistikzentrum in Baden-Württemberg stecke seit dreieinhalb Jahren in Genehmigungsverfahren fest, während ein vergleichbares Projekt in Chennai, Indien, bereits nach nur drei Monaten grünes Licht erhalten habe. Herrenknecht beschrieb das Land als „gefangen in einem Dornröschen-Schlaf“, aus dem es sich nicht von seiner eigenen Bürokratie befreien könne.
Er ging noch weiter und behauptete, dass er sein Unternehmen heute nicht mehr gründen könnte – die regulatorischen Hürden seien zu groß. Doch nicht nur die Bürokratie kritisierte er, sondern auch einen kulturellen Wandel: Deutschland sei zu einer „Nation von Weicheiern mit überzogenen Ansprüchen“ geworden. Als Beispiele nannte er Forderungen junger Hochschulabsolventen wie garantierte Sabbatjahre, maximale Flexibilität bei der Heimarbeit und vielfältige Optionen für Elternzeit – Erwartungen, die seiner Ansicht nach realitätsfremd seien.
Herrenknechts Äußerungen zeichnen ein düsteres Bild der wirtschaftlichen und verwaltungstechnischen Herausforderungen Deutschlands. Die Verzögerungen bei Infrastrukturprojekten und die wachsende Liste an Arbeitsplatzansprüchen spiegeln tiefgreifende Probleme wider, die – so seine Warnung – die Wettbewerbsfähigkeit des Landes untergraben könnten. Ohne dringende Kurskorrekturen, so der Vorstandsvorsitzende, drohe Deutschlands Position als Industrienation weiter zu schwinden.






