29 April 2026, 05:28

Deutsches Theater feiert die Rückkehr der Mammutaufführungen nach der Pandemie

Ein Buch mit dem Titel "The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts" ist aufgeschlagen und zeigt eine Seite mit Text und einem Logo.

Deutsches Theater feiert die Rückkehr der Mammutaufführungen nach der Pandemie

Deutsches Theater und die Tradition der Mammutaufführungen

Das deutsche Theater ist seit langem für seine marathonglangen Aufführungen bekannt, die weit über die übliche Spieldauer hinausgehen. Beim diesjährigen Berliner Theatertreffen, einem der renommiertesten Festivals des Landes, stehen erneut Produktionen auf dem Programm, die bis zu sieben Stunden dauern. Der Trend ist nicht neu – seit Jahrzehnten sprengt das regiegeprägte Theater Grenzen und hat das epische Erzählformat zur Tradition erhoben.

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Die Ära der extrem langen Inszenierungen begann in den 1970er- und 1980er-Jahren, als das Regietheater an Einfluss gewann. Regisseure begannen, klassische Texte mit kühnen Interpretationen umzugestalten und dehnten sie dabei oft beträchtlich aus. Ein besonders extremes Beispiel lieferte 1999 Luk Percevals Schlachten bei den Salzburger Festspielen – eine Produktion, die ganze zwölf Stunden dauerte.

Nora Hertlein-Hull, heute Leiterin des Berliner Theatertreffens, erlebte eine solche Mammutinszenierung erstmals 2007. Beim diesjährigen Festival zeigt das Münchner Kammerspiele Wallenstein: Ein Fest des Krieges in sieben Gängen, eine siebenstündige Adaption von Schillers Trilogie. Das Schauspielhaus Bochum brachte 2023 Die Brüder Karamasow in einer siebenstündigen Fassung auf die Bühne.

Auch die Berliner Volksbühne holt Peer Gynt zurück – allein der erste Teil dauert acht Stunden. Die Pandemie unterbrach den Trend vorübergehend, als Theater auf kürzere, pausenlose Stücke setzten. Doch mittlerweile sind die langen Abende wieder fest etabliert.

Offizielle Rekorde gibt es nicht – der Deutsche Bühnenverein erfasst keine Spieldauern –, doch die Marathonaufführungen bleiben ein prägendes Merkmal der hiesigen Theaterszene. Das Berliner Theatertreffen beweist einmal mehr, wie sehr das deutsche Publikum episches Theater schätzt. Produktionen wie Wallenstein oder Peer Gynt zeigen, dass das Publikum nach wie vor langatmige Erzählformen annimmt. Und da nichts auf ein Nachlassen dieses Trends hindeutet, wird diese Tradition wohl noch lange bestehen.

Quelle