30 June 2026, 00:21

Deutsche Industrie flieht ins Ausland – Jobs und Forschung wandern ab

Bis zu 100.000 Arbeitspl├Ątze in Gefahr: Wohin die deutsche Industrie immer ├Âfter wandert

Deutsche Industrie flieht ins Ausland – Jobs und Forschung wandern ab

Deutsche Industrieunternehmen verlagern Produktion und Forschung in rasantem Tempo ins Ausland. Hohe Lohnkosten, bürokratische Hürden und teure Energie treiben die Unternehmen zur Abwanderung, während Automatisierung und KI die Neuanstellungen im Inland begrenzen.

Bis Ende des ersten Quartals 2026 hatte der deutsche Industriesektor 127.300 Arbeitsplätze verloren – ein Rückgang um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit 2019 summiert sich der Jobverlust auf 341.500 Stellen. Der Chemiekonzern Evonik kündigte an, weitere 3.200 Stellen – größtenteils in Deutschland – abzubauen, nachdem bereits seit 2024 2.800 Verwaltungspositionen gestrichen wurden.

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Die Arbeitskosten in Deutschland liegen weiterhin 22 Prozent über dem EU-Durchschnitt und sind mehr als doppelt so hoch wie in Asien oder Osteuropa. Zusammen mit steigenden Zöllen und Handelsbarrieren zwingen diese Faktoren Unternehmen zu einer „lokal für lokal“-Strategie. Lieferkettenstörungen, mittlerweile das größte operationelle Risiko, verstärken diesen Trend zusätzlich.

Fast jedes befragte Industrieunternehmen plant bis 2030 seine Präsenz in Indien auszubauen und strebt dabei ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 4 Prozent an. Doch neue Arbeitsplätze werden kaum entstehen, da Automatisierung und KI den Personalbedarf verringern. Rund 40 Prozent der Investitionsbudgets bis 2030 fließen zwar weiterhin nach Deutschland, doch vor allem in die Instandhaltung bestehender Standorte und die Modernisierung der Automatisierung. Neue Kapazitäten und Beschäftigung entstehen dagegen weitaus häufiger in ausländischen Märkten.

Viele Unternehmen verlagern zudem Forschung und Entwicklung näher an ihre Absatzmärkte. Fast die Hälfte beabsichtigt, F&E-Aktivitäten im Ausland auszuweiten; einige entwickeln bereits neue Produkte in China, um lokale Kunden besser zu bedienen. Nur 16 Prozent der Unternehmen planen, ihre Belegschaft in Deutschland zu vergrößern – für Westeuropa sieht die Prognose ähnlich aus.

Die Entwicklung ist eindeutig: Die deutsche Industrie setzt auf Automatisierung und Auslandsinvestitionen statt auf Arbeitsplatzschaffung im Inland. Angesichts hoher Kosten und regulatorischer Hindernisse verlagern sich Produktion, Forschung und neue Chancen zunehmend in Regionen wie Indien, China und Nordamerika.

Quelle