27 April 2026, 22:30

CDU leitet Parteiausschlussverfahren nach AfD-Kooperation in Biebesheim ein

Grüne Broschüre mit "Wahlen kommunal" darauf vor weißem Hintergrund.

CDU leitet Parteiausschlussverfahren nach AfD-Kooperation in Biebesheim ein

Die hessische CDU hat Parteiverfahren gegen Mitglieder eingeleitet, die in Biebesheim am Rhein mit der AfD zusammengearbeitet haben. Der örtliche Parteiverband leitete Ausschlussverfahren ein, nachdem beide Gruppen bei einer gemeinsamen Abstimmung kooperiert hatten. Der Schritt folgt auf die Wahl eines AfD-Kandidaten in den Gemeindevorstand durch einen gemeinsamen Vorschlag.

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Die Entscheidung stößt auf Rückhalt in den Reihen der CDU-Spitze. Der Landesgeneralsekretär Leopold Born forderte ein "sofortiges und konsequentes Vorgehen". Der Vorfall unterstreicht die wachsenden Spannungen um parteiübergreifende Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene.

In Biebesheim am Rhein, einer Gemeinde mit rund 6.000 Einwohnern, hatten CDU und AfD eine gemeinsame Kandidatenliste für die Stellvertreterposten des Bürgermeisters eingereicht. Ihr Vorschlag war eine direkte Reaktion auf eine konkurrierende Liste, die von SPD, Grünen und Freien Wählern unterstützt wurde – diese Fraktionen verfügen gemeinsam über 17 der 31 Sitze im Gemeinderat. Die CDU stellt acht Mandate, die AfD sechs.

Durch die gemeinsame Abstimmung zog Bernd Kahnert, ein AfD-Mitglied, in den Gemeindevorstand ein. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Ulrich Harth hatte offen dafür geworben, dass seine Partei einen Stellvertreterposten erhält. Doch die Zusammenarbeit löste heftige Kritik aus. Der CDU-Kreisverband Groß-Gerau verurteilte den Schritt als "offensichtlich spontan und unabgestimmt" und erklärte, dies werde nicht toleriert.

Stefan Sauer, der CDU-Kreisvorsitzende, bestätigte, dass gegen die Beteiligten Parteiausschlussverfahren eingeleitet wurden. Er kündigte an, dass weitere Maßnahmen geprüft würden. Die Landesführung der Partei, darunter Born, betonte die Notwendigkeit einer klaren Haltung, um künftige ähnliche Bündnisse zu verhindern.

Der Fall steht für einen größeren Trend. Eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) ergab, dass in fast 19 Prozent von 5.000 kommunalen Abstimmungen zwischen 2019 und 2024 andere Parteien direkt mit der AfD kooperierten. Solche Allianzen bleiben innerhalb des etablierten Parteienspektrums umstritten.

Mit den Disziplinarmaßnahmen sendet die CDU ein deutliches Signal gegen lokale Zusammenarbeit mit der AfD. Den Beteiligten droht nun der Parteiausschluss, während die Partei über weitere Schritte berät. Der Vorfall wirft zudem die Frage auf, wie mit parteiübergreifenden Absprachen auf kommunaler Ebene umgegangen werden soll – ein Thema, das auch durch aktuelle Forschung unterstrichen wird.

Da die AfD weiterhin im Biebesheimer Gemeinderat vertreten ist, könnte der Streit künftige politische Strategien in der Gemeinde und darüber hinaus beeinflussen.

Quelle